Freie Frauen – fair oder Frust?

Dorothea Hartz, seit zwei Jahren Frauenbeauftragte bei Radio Bremen, hat die Leitung des Panels übernommen.

Ihre Befragung der Frauen- bzw. Gleichstellungsbeauftragten in der ARD hat ergeben, dass in den Sendern rund 8000 freie Frauen arbeiten (von geschätzten 18.000 Freien insgesamt. Dabei handelt es sich um sog. arbeitnehmerähnliche Freie, die regelmäßig beschäftigt werden). Davon die meisten, nämlich rund 1600, beim ZDF.

Vergleicht man die Honorare, so verdienen freie Frauen in allen Anstalten weniger als freie Männer. Die Gründe sind nach Meinung der Teilnehmerinnen (es ist kein Mann dabei!) schnell ausgemacht:

  • Frauen arbeiten eher in Teilzeit
  • Sie übernehmen den Hauptteil der Familienarbeit
  • Sie übernehmen die Pflege von Eltern oder anderen hilfsbedürftigen Personen.

Eine Verbesserung ist für freie Frauen auf gesetzlicher Ebene getroffen worden: ab 1.1.2018 gilt das Mutterschutzgesetz auch für arbeitnehmerähnliche Frauen. In vielen Sendern ist das schon vorher der Fall gewesen, da die meisten 12a-Tarifverträge (Tarifverträge für arbeitnehmerähnliche Personen) solche Regelungen vorsahen. Jetzt MUSS sich JEDER Sender daran halten.

Dass Frauen, wegen der größeren Flexibiliät, gerne frei arbeiten – wie oft behauptet – relativiert Dorothea. Tatsächlich nehme der Wunsch nach einer Festanstellung mit fortschreitendem Alter zu.

Besonders schwer haben es freie Frauen, wenn sie Mütter werden. Die Geburt eines Kindes bedeutet für sie meist ein großes berufliches Risiko. Es ist nicht sicher, dass die jungen Mütter wieder dorthin zurückkehren können, wo sie vor der Geburt gearbeitet haben. Eine Teilnehmerin berichtet, dass sie schlicht Glück gehabt habe: ihre Vertretung war so schlecht, dass alle sie wieder im Team haben wollten. Ansonsten ist der Wiedereinstieg meist schwierig. Das ist dem Umstand geschuldet, dass es dafür in den Sendern kein geregeltes Verfahren gibt.

Elternschaft ist für Frauen generell mit einem deutlich größeren beruflichen Risiko verbunden als für männliche Freie.

Aus diesen ganz offensichtlich frauenspezifischen Problemen ergeben sich bestimmte Forderungen:

  • Es sollte mehr Festanstellungen geben
  • Die Personalvertretungen müssen ausgebaut und gestärkt werden
    (Übrigens dürfen die freien Frauen von Radio Bremen die Frauenbeauftragte wählen und selbst als solche gewählt werden. Vertreten darf die Frauenbeauftragte allerdings nur festangestellte Frauen. ARD-Logik!)
  • Es muss ein schneller Wiedereinstieg nach Mutterschutz und Elternzeit möglich sein
  • In der Elternzeit sollte weitergearbeitet werden können
  • Einführung von redaktionellen Patenschaften
    (So macht es Radio Bremen: ein Mensch aus der Redaktion hält Kontakt zur Mutter in Elternzeit und informiert sie über Veränderungen im Bereich)
  • Um freie Frauen besser vor sexuellen Übergriffen schützen zu können, müssen die Sender strukturierte Maßnahmen einführen

Wichtig fanden die Teilnehmerinnen, dass Frauen anderen Frauen etwas zutrauen. Bei Radiobremen gibt es spezielle Mentoring-Programme für Frauen, die auch für Freie offen sind.

Einen breiten Raum nahm die #metoo-Debatte ein. Gerade in Bezug auf diese Übergriffe sind freie Frauen stärker gefährdet als angestellte.

  • Für freie Frauen ist es schwieriger, sich zu wehren und Täter zu benennen oder womöglich eine Anzeige zu erstatten
  • Freie Frauen sind in der journalistischen Kette die schwächsten Glieder

Ein Drittel der Frauen haben Erfahrungen mit einem #metoo-Ereignis gemacht. Das hat eine Fragebogenaktion im rbb ergeben. Es ist aber nicht bekannt, wer genau sich beteiligt hat, da die Online-Abfrage anonym lief. Diese Initiative ging von der Gleichstellungsbeauftragten des rbb, Lydia Lange, aus. Sie hat ebenfalls eine Arbeitsgruppe zum Thema ins Leben gerufen, die sich regelmäßig trifft. Die besteht aus den Personalvertretungen (Personalrat, Freienvertretung, Azubi-Vertretung), der Compliance-Beauftragten und Vertreterinnen aus Intendanz und Personalabteilung. In der Führungskräfteschulung und der Volontärsausbildung soll die Aufklärung über Sanktionen nach bekannt gewordenen sexuellen Übergriffen zum festen Bestandteil werden.

Die Deutsche Welle nimmt die Dienste eines außerhalb des Senders arbeitenden Mediationsunternehmen in Anspruch. Äußert eine Frau einen bestimmten Vorwurf, wird der über die Personalvertretungen an das externe Unternehmen weitergeleitet und dort aufgearbeitet.

Bei Radio Bremen wird derzeit eine Dienstanweisung verhandelt, die konkrete Maßnahmen nach dem Bekanntwerden von sexuellen Übergriffen regelt. Das könnte Vorbildcharakter für andere Sender haben.

ARD-weit ist eine #metoo-Hotline geplant, angedockt im Hause von Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Auf die Idee kam man durch den sog. Besetzungscouch-Skandal, der vor allem Schauspielerinnen betraf.

Bericht: Dagmar Bednarek, rbb-Freienvertretung

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